Zum Europäischen Datenschutztag

Ein Plädoyer für die Privatsphäre

Wir sind ständig online und teilen unsere Daten – manchmal bewusst, oft aber unbewusst.
Der zunehmende Einsatz von KI, Sprachassistenten wie Alexa, Siri & Co. in Privaträumen, Ortungsdienste, Standortteilung per Smartphone, Smart Homes, die private Daten an Clouds von Drittanbietern übermitteln, immer größere Datenmengen und die allgegenwärtige Vernetzung … Moderne Gadgets sind smart, hip und zugegebenermaßen bequem.

Bequemlichkeit, die oft kostenlos daherkommt, aber teuer erkauft ist. Denn Verbraucher:innen bezahlen für Apps oder Dienste oft mit ihren Kundendaten.

Nahezu alle Anbieter digitaler Dienstleistungen sammeln eine Vielzahl an Nutzer:innen-Informationen und werten diese aus. Und oft werden diese auch noch an Dritte weitergegeben. Doch wo, wie und vor allem welche Daten erfasst werden, ist meist eher intransparent.

Viele Nutzer:innen kümmert das nicht.
Häufig fällt der Satz: „Ich habe doch nichts zu verbergen“.

Und viel eigentlich sehr Privates wird heutzutage öffentlich geteilt, man denke nur an den aktuell öffentlich ausgetragenen Familienstreit der Familie Beckham.

Ist „Privatleben“ also altmodisch?

Eigentlich das Gegenteil: Privatheit ist heute eine Kompetenz, die neu gelernt werden muss.
Eine bewusste Entscheidung gegen Daueröffentlichkeit.

Fast schon ein Luxus.

Was bringt mir Privatsphäre?

Es gibt tatsächlich ein paar sehr wichtige Vorteile:

Emotionale Sicherheit:
Man darf denken, fühlen und scheitern, ohne beobachtet zu werden.
Innere Ruhe:
Nicht alles erklären zu müssen senkt Stress und mentale Überforderung
Persönlichkeitsentwicklung:
Man kann Fehler machen, sich verändern, ohne dass jede frühere Version öffentlich dauerhaft „gespeichert“ wird. Privates erlaubt Entwicklung ohne Dauerurteil.
Freiheit von Dauerbewertung:
Kein ständiges „Wie wirkt das?“ — mehr echtes (Er)Leben.
Selbstbestimmung:
Wer Dinge privat hält, entscheidet, wer was über ihn/sie weiß. Autonomie statt Rechtfertigungsdruck.
Gesunde Beziehungen:
Nähe funktioniert besser, wenn sie freiwillig entsteht. Und wer Grenzen setzt, wird oft ernster genommen.
Machtbalance:
Wissen ist Macht. Wer alles von einem weiß, hat automatisch einen Vorteil (beruflich, sozial oder emotional).
Schutz vor Missbrauch:
Wer viel von sich preisgibt, macht sich verletzlich.
Cybermobbing, Deepfakes, Identitätsdiebstahl, Datenleaks, Desinformation und Betrugsmaschen – alles relativ neue Phänomene, die erst durch die großzügige Preisgabe privater, personenbezogener Informationen möglich wurde.

Alert Alert

Fazit

Privatsphäre ist kein Rückzug aus der Welt. Sie ist ein geschützter Raum, in dem man man selbst bleiben kann.

Und was hat das mit dem Europäischen Datenschutztag zu tun?

Sinn und Zweck dieses Gedenktages ist die Sensibilisierung für den Schutz personenbezogener Daten und Privatsphäre.
Und wir möchten Sie sensibilisieren, denn …

Für den Schutz unserer persönlichen Daten sind wir selbst verantwortlich

Unsere Empfehlungen für mehr Privatsphäre im Netz

  • Machen Sie sich klar, was "Daten" sind und was jemand damit anstellen könnte - erst recht in Zeiten von KI.
  • Seien Sie geizig mit Ihren Daten, Fotos und Videos.
  • Dasselbe gilt auch mit Daten, Fotos und Videos Anderer!
  • Geben Sie möglichste wenig von sich preis. Ihre Klarname, Telefonnummer, Adresse oder Geburtstag gehen fremde Menschen nichts an.
  • Gibt es noch weitere sensible Informationen, die(eigentlich) privat sein sollten?

    Sexuelle Orientierung? Politische Ansichten (Wahlgeheimnis)? Die eigene Gesundheit (warum gibt es die ärztliche Schweigepflicht)? Private Kommunikation? (Früher galt das Briefgeheimnis)

  • Überlegen Sie bei wirklich JEDER Datenveröffentlichung, ob sie tatsächlich nötig ist.
  • Muss ich gleich ein Konto anlegen? Oder reicht z. B. eine Bestellung als Gast?
  • Überlegen Sie, wer Ihre Daten bekommt.

    Denken Sie auch an spätere Jahre. Wer heute seriös daherkommt, kann morgen schon von einem unseriösen Unternehmen aufgekauft sein.

  • Geizen Sie mit Ihren Daten. Muss ich wirklich bei dem Preisausschreiben teilnehmen?

    Wenn ja, welche Daten muss ich dafür tatsächlich preisgeben? Eine E-Mail-Adresse zur Kontaktaufnahme reicht doch, warum auch noch mein Vor- und Zuname (oder noch mehr personenbezogene Daten)?

  • Biometrische Daten (Fingerabdruck, Gesichtsscan) zum Öffnen meines Smartphones?

    Nutzen Sie besser eine Passwortsperre.

  • Apps, die mein Selfie mit KI witzig animieren, nutzen Gesichtserkennung.

    Wem gebe ich da freiwillig meine biometrischen Daten? Wer steckt dahinter? Will ich das?

  • Wem gebe ich meine biometrischen Daten, wenn ich ein smartes Haustürschloss nutze?

    Das sind sehr sensible Daten – wo werden sie gespeichert?

  • Zur Buchung einer Ferienwohnung wird die Kopie meines Ausweises benötigt.

    Werden wirklich alle Daten gebraucht? Oder kann ich wichtige Kennzahlen, wie die Seriennummer, schwärzen. (Missbrauch ist bereits vorgekommen).

  • Prüfen Sie über einen anderen Kanal die Richtigkeit der behaupteten Notsituation.

    Googeln mit dem Originalwortlaut reicht meist.

  • Behalten Sie technische Entwicklungen z. B. von KI im Blick - informieren Sie sich über Trends.
  • Werden Sie datensensibel. Seien Sie datensparsam.
  • Und gehen Sie auch einfach mal offline. Es lohnt sich.
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